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Hilfe für junge Menschen in schweren Zeiten - Artikel in der WAZ von Julia Witte

Trauerbegleiterinnen Caren Baesch (links) und Karin Ricken (rechts). (Foto: WAZ FotoPool)
Trauerbegleiterinnen Caren Baesch (links) und Karin Ricken (rechts). (Foto: WAZ FotoPool)

Südostviertel .Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer ein Schock und kaum, manchmal auch gar nicht, zu begreifen. Mit einem Mal ändert sich das Leben schlagartig, nichts ist mehr so, wie es einmal war. Vor allem junge Menschen fühlen sich in dieser Situation oft alleine, sie trauern anders als Erwachsene.

 

Manchmal verhalten sich Kinder und Jugendliche nach dem Tod eines Menschen so, als sei nichts passiert, lassen sich die Traurigkeit nicht anmerken oder versuchen, den Verlust zu verdrängen. Doch trotz vermeintlicher Unbekümmertheit ist eine Welt zusammengebrochen, das Leben scheint aus der Bahn zu geraten. Dazu kommt, dass sich junge, trauernde Menschen oft unverstanden fühlen - unverstanden vor allem deshalb, weil der Tod in ihrem Freundeskreis für gewöhnlich nicht thematisiert wird – wer setzt sich in jungen Jahren auch schon damit auseinander?

 

„Leider ist der Tod noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Dabei gehört er mit ins Leben, und ja, auch manchmal schon in das Leben eines jungen Menschen“, erzählt Caren Baesch, die seit knapp zwei Jahren als qualifizierte und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Hospizdienstes am Alfried Krupp Krankenhaus in Rüttenscheid tätig ist. In Zusammenarbeit mit diesem Hospizdienst leitet Baesch, gemeinsam mit Kollegin Karin Ricken (seit 2004 im Hospizdienst am Alfried Krupp Krankenhaus), ab sofort eine Trauergruppe für junge Menschen. „Die erste offene Gruppe in dieser Stadt“, wie Baesch berichtet. Zwar gäbe es im Essener Stadtgebiet ein flächendeckendes Angebot von Gemeinden, Krankenhäusern oder Hospizen, jedoch nicht für Jugendliche und junge Erwachsene. Die bestehenden Trauergruppen würden vorwiegend von älteren Menschen besucht. „Kinder und Jugendliche sind dort jedoch fehl am Platz. Zumal sie sich mit ganz anderen Ängsten und Sorgen beschäftigen. Stirbt die Mutter oder der Vater, müssen junge Menschen zum Beispiel einen Rollenverlust verarbeiten“, so Baesch und: „Wir werden in unserer Trauergruppe auch pädagogische Unterstützung leisten, die speziell auf die Lebensphase abgestimmt ist.“

 

Während ihrer Arbeit im Hospizdienst bekamen Baesch und Ricken schon öfter Anfragen von Jugendlichen, die um einen Menschen trauerten. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, weiß die Trauerbegleiterin. Schon für das erste Treffen, am Samstag, 20. September, hätten sich bereits fünf junge Menschen angemeldet.

 

Wie genau die anderthalb Stunden im Weigle-Haus gestaltet werden, das entscheiden die Gruppenteilnehmer selbst. Ein striktes Programm gibt es nicht. Es darf geweint werden, geschwiegen oder gelacht. Wer mag, der hört einfach nur zu oder spricht sich aus. „Das Wichtigste an diesen Treffen ist einfach, dass die Trauernden merken, dass sie nicht alleine sind“, erklärt die Trauerbegleiterin. Ganz je nach dem wie sich die Gruppe entwickelt, können auch Veranstaltungen oder Ausflüge organisiert werden.

 

Die Jugendtrauergruppe ist kostenlos und findet regelmäßig ein Mal im Monat für anderthalb Stunden im Weigle-Haus an der Hohenburgstraße 96 statt. Die nächsten Termine werden über die Internetseite www.jugendtrauergruppe-essen.de bekannt gegeben.

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